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Neue Bestimmungen der EnEV 2014/ 2016

Neue Bestimmungen der EnEV 2014/ 2016
 
Momentan wurde Klage gegen die Novellierung der EnEV2014 erhoben. Aber sicher ist, dass die Umsetzung gem. europäischem Recht verwirklicht wird.
 
Neubauten (Wohngebäude):
 

  • ab 1.6.2016 sinkt das Anforderungsniveau       - des Primärenergiebedarfs um 25% und des Transmissionswärmeverlustes um 20%
 
  • die Nebenanforderungen des festen Transmissionswärmeverlustes sinken gemäß vorher durchgeführter Modellrechnungen zum Teil um mehr als 20% - z.B. bei zweiseitig angebauten Häusern (Mittelhäuser), Reihenmittelhäuser, Single-Appartements
 
Neubauten (Nichtwohngebäude):

  • ab 1.6.2016 sinkt das Anforderungsniveau       - des Transmissions-wärmeverlustes um 20% und Berechnungsverfahren nach der DIN V18588:2011
 
Bestandsgebäude:
 

  • keine Änderungen des Energetischen Niveaus (die Korrekturen in der Berechnung ausgenommen – siehe unten) bzw. der Bauteilanforderungen
 
  • ab 1.5.2014 werden Änderungen zu Nachrüstpflichten und zu Anforderung bei Gebäudeerweiterungen vorgenommen
 
  • Gebäudeerweiterungen - §9 Abs. 4,5
    • Fall 1 – hinzukommende Nutzfläche <50m2 + keine neue Heizung à Bauteilnachweis gem. Anlage 3, Tab.1 der EnEV
    • Fall 2 – hinzukommende Nutzfläche >50m2 + keine neue Heizung à Bauteilnachweis gem. Anlage 3, Tab.1 der EnEV + Nachweis des Sommerlichen Wärmeschutzes!
    • Fall 3 – hinzukommende Nutzfläche >50m2 + neue Heizung à Neubauanforderungen nach EnEV 2009 (ohne Verschärfung ab 1.1.2006)
 
  • Heizkessel, die vor dem 1.1.1985 eingebaut wurden dürfen ab 2015 nicht mehr betrieben werden (Bonusregel für 1-2 Fam. Häuser  - Pflicht entsteht erst bei Eigentümerwechsel innerhalb von 2 Jahren) , Die Aufwendungen für die Nachrüstung muss innerhalb angemessener Zeit erwirtschaftet werden können (§10 Abs.5)
 
  • Oberste Geschossdecken, die nicht den Mindestanforderungen nach DIN 4108-2:2013-02 entsprechen, müssen bis 31.12.2005 mit U<=0,24W/m2K nachgedämmt werden (alternativ Dachfläche nach DIN 4108-2:2013-02) (Bonusregel für 1-2 Fam. Häuser  - Pflicht entsteht erst bei Eigentümerwechsel innerhalb von 2 Jahren)
 
  • Alternativ zu allen zuvor beschriebenen Maßnahmen kann auch der Nachweis der Einhaltung des energetischen Niveaus <=140% der Neubauanforderungen (Altbauniveau) nach §9 EnEV2009 erfolgen.
Energieausweise und Kontrollsystem für Energieausweise ab 1.5.2014
 

  • Energieausweise nur noch mit Registriernummer!
  • Energieausweise nur noch mit Modernisierungsempfehlungen
  • Pflicht bei kommerziellen Immobilienanzeigen und bei Besichtigungen
  • Übergabe vor Vermietung und Kauf Pflicht
  • Einführung von Effizienzklassen
  • Aushangpflicht bei Gebäuden mit starkem Publikumsverkehr >500m2 (Behördliche Gebäude >250m2)
  • Energieausweise nur noch von zugelassenen Ausstellern
  • Bei Neubauten muss Energieausweis unmittelbar nach Fertigstellung und vor Nutzungsaufnahme ausgestellt sein – es gilt ausschließlich die bedarfsgerechte Berechnung / Erfassung des fertig gestellten Standards
  • Kontrollen durch Stichproben – Plausibilitätskontrollen, Vergleichsrechnungen und Vor Ort- Kontrollen
 
Da die Bauämter die Abgabepflicht des Wärmeschutznachweises / EnEV Nachweises ab ca. Frühjahr 2015 abschaffen wollen, kommt dem Bauherren eine besondere Verantwortung zu, das energetische Niveau vor Baubeginn aufzustellen, berechnen und prüfen zu lassen um die Anforderungen und die ggf. durchgeführten Kontrollprüfungen zu bestehen.
 
Berechnungsverfahren
 
ab 1.5.2014 werden Korrekturen bei den Berechnungsverfahren vorgenommen:

  • Klimareferenzzone ist Potsdam
  • Der Primärenergiefaktor für Strom sinkt von2,6 auf 2,4 (günstig für alle strombetriebenen Anlagen) aufgrund des in das Netz eingespeisten Ökostroms
  • Neufassung des Sommerlichen Wärmeschutzes mit DIN 4108/2 – Ausgabe 2013
 
ab 1.1.2016 werden Korrekturen bei den Berechnungsverfahren vorgenommen:

  • Der Primärenergiefaktor für Strom sinkt von2,4 auf 1,8 (günstig für alle strombetriebenen Anlagen) aufgrund des in das Netz eingespeisten Ökostroms
  • Die DIN V 18599 von 2011 darf angewendet werden, die zahlreiche neue Anlagenkomponenten betrachtet (bis 1.1.2016 muss noch mit der alten DIN 18599 gerechnet werden)
  • Es werden Simulationsrechnungen zugelassen, wenn keine gesicherten Anlagen-/ Erfahrungswerte vorliegen (außer öffentlich rechtliche Nachweis und ggf. KfW Förderungen)
 
 

Beispiel:
Ein Bauherr entscheidet sich heute für eine Wärmepumpe, die mit Strom betrieben wird. Es wird ein Primärenergiefaktor von derzeit 2,6 und ab 1.5.2014 von 2,4 angesetzt. Ab 1.1.2016 wird der Primärenergiefaktor für Strom  um weitere 25% von 2,4 auf 1,8 gesenkt, was das Anforderungsniveau der EnEV gegenüber dem Primärenergieverbrauch faktisch nicht ändert. Es reicht also in diesem speziellen Fall aus, für die Erfüllung der Einhaltung der EnEV ab 1.1.2006, die Gebäudehülle entsprechend anzupassen.
 
Für Haustechnische Anlagen mit fossilen Energieträgern (z.B. Gas) muss zwar heute schon ein 15%-ige Verbesserung des Primärenergiebedarfs gem.  EEWärmeG eingehalten werden. Die Verschärfung der Anforderung um weitere 10% auf 25% hat zur Folge, dass die Gebäudehülle nicht nur um 20% verbessert werden muss, sondern um mehr als 30%.
Den Verbesserungsmöglichkeiten durch eine gut gewählte Gebäudekubatur, der Lüftungstechnik, dem Nachweis einer erhöhten Luftdichtheit von Gebäuden oder dem Nachweis von Wärmebrücken kommen in der Nachweisführung mehr Bedeutung zu.
 
 
Geltungsbereich:
Generell zählt noch der Bauantrag, die Bauanzeige oder Baustart als Stichtag §28. Zivilrechtlich kann heute schon ein energetisches Niveau der EnEV ab 1.1.2016 verlangt werden. In der Übergangszeit raten wir zu einer genauen Festlegung des Anforderungsniveaus mit dem Bauherren oder Bauträger. Wird nichts vereinbart, so ist es zivilrechtlich unklar, welches Anforderungsniveau ab einer Nutzungsaufnahme nach dem 1.1.2016 zum Tragen kommt – im Zweifel muss das neue energetische Niveau schon vorher berücksichtigt worden sein, damit zur Nutzungsaufnahme der dann allgemein anerkannte Stand der Technik berücksichtigt ist.
 
 
erstellt:
Dipl.-Ing. Kai Nitzschke, Stand 09.03.2014
 
Quellen:
-          Novellierung der EnEV vom 18.11.2013 (EnEV 2014) – nichtamtliche Lesefassung
-          Der Gebäudeenergieberater Ausgabe 1/2014 und 2/2014
-          Referat: Die Änderungen des Energieeinsparungsgesetzes und der Energieeinsparverordnung – Aktueller Stand vom 07.03.2014  MR Dipl.-Ing. Gabriele Bothe – Veranstaltung der Ing.-Kammer Sachsen
-          Referat: Neuester Stand EnEV 2014– Änderungen und Ablauf bis zur Inkraftsetzung vom 07.03.2014  MR Dipl.-Ing. Gabriele Bothe – Veranstaltung der Ing.-Kammer Sachsen
 
Die Angaben sind verantwortungsbewusst recherchiert. Irrtümer sind vorbehalten. Für Fehler in den zitierten  Quellen kann keine Haftung übernommen werden. Im Zweifelsfall ist der Verfasser zu informieren. Fakten in der EnEV 2014 sind ggf. nachzuschlagen (http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/E/enev-2-aenderungsverordnung-2013,property=pdf,bereich=bmwi2012,sprache=de,rwb=true.pdf)
 
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